Ein- bis zweimal im Jahr präsentieren die Garnhersteller ihre neuen Kreationen. Dabei orientieren sie sich an den Modefarben und den Trends, wie sie von den großen Modehäusern und Designern vorgegeben werden. Bestes Beispiel sind die sehr, sehr dicken Garne, die es seit ein, zwei Jahren gibt. Oder das zarte Mohairgarn, auf das in regelmäßigen Abständen Pailletten aufgefädelt wurden.

Immer wieder gibt es Effektgarne mit Noppen, Boucle-Wolle, Wuscheliges, Glitzerndes und Glänzendes, Geflammtes und Meliertes in teilweise wilden Farbzusammenstellungen.

Mich faszinieren diese Neuerscheinungen bei meinen regelmäßigen Besuchen im Wollgeschäft immer wieder aufs Neue. Und immer wieder lasse ich mich dazu verleiten, Effektgarne zu kaufen – um dann festzustellen, dass das fertige Stück irgendwie doch nicht wirklich sooo toll aussieht.

Ein schönes Muster, ein raffinierter Schnitt und eine ausgefallene Farbe kommen bei einem „normalen“ Garn ohne Effekte mitunter besser zur Geltung.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen: So entdeckte mein jüngster Sohn wirklich sehr zufällig in einem Kaufhaus das Garn „McWool Chain“ von Lana Grossa, grau geflammt mit Einsprengseln in seiner Lieblingsfarbe hellgrün. Davon wünschte er sich eine Mütze und einen Loop. Habe ich natürlich gerne für ihn gestrickt – und fand das Endergebnis auch super. Ob allerdings ein kompletter Pullover nicht zu viel des Guten wäre, würde ich mal zur Diskussion stellen…

Meine Erkenntnisse aus der jahrzehntelangen Versuchung, in die mich Effektgarne immer wieder führen:

1. Wer ein auffälliges Garn verstrickt oder verhäkelt, kann sich ein aufwändiges Muster und/oder einen komplizierten Schnitt (meistens) sparen.

2. Nicht alles, was auf dem Knäuel toll aussieht, gefällt mir auch, wenn es verstrickt ist. Gute Wollgeschäfte haben Strickmuster angefertigt!

3. Manche Effektgarne lassen sich nicht gut verarbeiten. Die Maschen rutschen schlecht oder das Garn ist sehr faserig, wodurch die Gefahr steigt, dass man beim Abstricken nur einen Teil der Schlinge erwischt, was zu einem unsauberen Maschenbild führt. Hie und da ist ein Strickteil aus Effektgarn auch zu labberig oder zu starr und steif geworden oder hat nach dem ersten Waschen die Form verloren…

4. Weniger ist manchmal mehr – und sieht eher nach Designer als nach „Omas Handarbeitsstübchen“ aus. An einem Teil, das ich aus einem schönen, hochwertigen Naturgarn ohne Chemie-Beimischung gestrickt habe, sehe ich mich auch nicht ganz so schnell ab und trage es länger und lieber.

5. Für Anfänger sind insbesondere die dickeren Effektgarne jedoch eine tolle Sache: Man kann auf komplizierte Schnitte verzichten, ist schnell fertig und das Strickteil sticht ins Auge. Auch nicht schlecht…